Prof. Dr. Wippermann referierte zum Thema "Damit die Zusammenarbeit mit Eltern gelingt"

 

Große Resonanz erfuhr die Fortbildung für Erzeiherinnen und Lehrkräfte, zu der die Ursulinen-Schulstiftung am vergangenen Samstagvormittag in ihre Räumlichkeiten eingeladen hatte.

Unter Leitung von Sr. Judith konnte als Referent Professor Dr. Carsten Wippermann von der Katholischen Stiftungsfachschule Benediktbeuern zum Thema "Damit die Zusammenarbeit mit Eltern gelingt" gewonnen werden. In seinem Fachvortrag zeigte Prof. Dr. Wippermann anhand der DELTA-Milieu-Studie die wachsende Vielfalt der Lebenswelten der Menschen in unserer heutigen Gesellschaft auf. Unterschieden werden dabei neun verschiedene Basis-Milieus. Vater und Mutter, aber auch Erzieher und Lehrer nehmen hierzu je anders geartete Rollen ein. Dem Fachvortrag folgte anschließend ein Workshop, den die Fortbildungsteilnehmer mit großem Einsatz und Freude bereitwillig besuchten.

 

 

Anbei der Presseartikel, geschrieben von Frau Altweck-Glöbl:

 

„Für mein Kind die beste Einrichtung"


„Eltern aus unterschiedlichen sozialen Milieus verstehen lernen", das war das zentrale Anliegen von Prof. Carsten Wippermann, Kath. Stiftungsfachhochschule Benediktbeuren bei der Fortbildung der Ursulinen-Schulstiftung für Erzieherinnen und Lehrkräfte. Als Gründer und Leiter des DELTA-Instituts für Sozial- und Ökologieforschung GmbH in Penzberg erstellt Prof. Wippermann Studien u.a. im Auftrag des Bundesfamilienministeriums.
Als Grundlage für die Teilnehmer stellte Prof. Wippermann die Ergebnisse der Studien vor. 96 % der Mütter und 83 % der Väter sehen Kindertagesstätten als wichtige Unterstützung für die Erwerbstätigkeit von Frauen. Besonders klar zeigte sich diese Funktion bei der Lebenssituation von 18 – 35jährigen, wo ohne Kinder 79 % der Frauen und 80 % der Männer vollerwerbstätig sind, während bei dieser Altersgruppe mit Kindern nur noch 19 % der Frauen vollerwerbstätig sind, aber 89 % der Männer. Dieser Ausstieg aus der vollen Erwerbstätigkeit lässt sich für den Großteil der Frauen auch im späteren Alter nicht mehr ändern.
Die Kindertagesstätten und die Grundschulen haben eine Schlüsselfunktion; denn nur hier ist der Ort und die Gelegenheit, an denen Kinder und Eltern aus ganz verschiedenen Lebenswelten überhaupt zusammenkommen können. Prof. Wippermann stellte die provokante Frage, ob sich Erzieherinnen und Lehrkräfte für diese notwendige „interkulturelle" Kompetenz professionalisieren. Sehen sie die gesellschaftlich wichtige Aufgabe, bei den Kindern eine „soziale Empathie" einzuüben?
Interkulturelle Kompetenz wird insbesondere gefordert, wenn es gilt, den neun unterschiedlichen Basis-Milieus gerecht zu werden. Ein „Milieu" fasst Menschen zusammen, die sich in Lebensauffassung und Lebensweise ähneln, sie haben ähnliche Grundorientierung und Werte, ähnlichen Lebensstil und sind in einer ähnlichen sozialen Lage. Die neun Basis-Milieus teilen sich ein in „Konservative", „Traditionelle", „Etablierte", „Postmaterielle", „Performer", „Bürgerliche Mitte", „Benachteiligte", „Hedonisten" und „Expeditive". Besonders spannend wurde es für die teilnehmenden Pädagogen, als Prof. Wippermann das Bild einer „guten Mutter" für jedes Milieu ausführlich erläuterte. Er zeigte aber auch auf, dass es unterhalb der einzelnen Milieus auch erkennbare Tendenzen der Abgrenzung zu anderen Milieus gibt.
Eltern formulieren aus diesem Milieu-Hintergrund heraus Forderungen an Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen. Sie nutzen diese auch als Ort der Distinktion, der Abgrenzung. Der Blickwinkel der Eltern hat sich geändert: Sie sehen den Förderaspekt im Vordergrund, haben weniger die Gruppe im Blick, als vielmehr „mein Kind", fordern mehr qualitative Zeit für „ihr" Kind, treffen meist eine sehr bewusste Entscheidung für die KiTa oder für die Schule, private und konfessionelle Einrichtungen gewinnen an Attraktivität vor allem wegen der Werteerziehung, sie fordern kleine Gruppen und kompetente Mitarbeiter. Die Unterschiedlichkeit der Milieus bedingt Dynamiken der Imitation, wie auch der Distinktion.
Am Anschluss an diese ausführliche Information beschäftigten sich die Teilnehmer mit unterschiedlichen Fragestellungen, wie z.B. „Welche Bedürfnisse, Motive, Ansprüche und Ziele haben Eltern aus den unterschiedlichen Milieus an Sie in Ihrer beruflichen Arbeit?", Welche Konsequenzen leiten Sie aus der gesellschaftlichen Entwicklung und den Vorstellungen der Eltern ab?". Hier gelang den Teilnehmern der Transfer in ihr jeweils berufliches Setting und bei der Vorstellung der Ergebnisse in der Gesamtgruppe konnten sowohl die Übereinstimmungen, wie auch die Unterschiede zwischen Kindertagesstätte, Schule und Mitarbeit in einem Jugendamt wahrgenommen werden.