Verabschiedung von Schwester Judith Reis als Schulleiterin der Fachakademie

Mit großem Wehmut mussten wir zum Schuljahresende 2015/16 unsere allseits sehr geschätze und beliebte Schulleiterin an der Fachakademie für Sozialpädagogik, Sr. Judith Reis, verabschieden.

Sage und schreibe 46 Jahre verbinden Sr. Judith mit der Fachakademie für Sozialpädagogik. Als 1970 dieser jüngste Schulzweig unserer schulischen Einrichtungen gegründet wurde, war sie mit von der Partie und unterrichtete dort neben ihrer Tätigkeit an der Realschule und als Internatsleiterin zunächst die Fächer Werken sowie Religions- und Heimpädagogik. Schon sehr bald fielen Sr. Judith auch administrative Aufgaben zu, so dass sie 1983 zur stellvertretenden Schulleiterin ernannt wurde. Obwohl sie gleichzeitig Leiterin eines großen Internates war, studierte sie von 1984 bis 1988 an der Universität Regensburg Diplompädagogik mit den Nebenfächern Psychologie und Soziologie. Nach dem Abschluss des Studiums wurde ihr dann die Schulleitung der Fachakademie für Sozialpädagogik übertragen, die sie nun nach 28 Jahren abgibt.
In dieser langen Zeit hat Sr. Judith dieser Schule Gesicht und Ansehen weit über die Landkreisgrenze hinaus gegeben. Dies konnte nur in einer guten Zusammenarbeit mit dem Kollegium gelingen. Aufgewachsen mit 6 Geschwistern war ihr das Miteinander schon von klein auf vertraut. In ihrer offenen, kontaktfreudigen Art und auf Grund ihrer eigenen Kreativität und Aktivität konnte sie selbst Anregungen geben und motivieren sowie die Fähigkeiten der Mitarbeiter entdecken und fördern Gleichzeitig war sie auch stets bereit, Ideen und Vorschläge anderer aufzunehmen, sie in die Mitplanung einzubeziehen und sie so als Mitarbeiter für die vielen Veränderungen in der Weiterentwicklung der Schule zu gewinnen. Mit Mut, durch persönliches Vorbild und mit freundlicher Überzeugungskraft hat sie auf einem Weg geführt, der die Einzelnen wachsen und reifen ließ.
Die Studierenden lagen ihr in besonderer Weise am Herzen. Sie wusste um die Freuden und Schwierigkeiten der Einzelnen, stand ihnen mit Rat und Tat zur Seite und blieb mit ihnen in Verbindung über die Schulzeit hinaus. Die Studierenden waren ebenfalls in die bewusste Zusammenarbeit eingeschlossen, sei es in den Schüler-Lehrer-Konferenzen oder in der oft weitgehend selbstständigen Durchführung verschiedenster Projekte, etwa in der Gestaltung der Kennlerntage oder in der Vorbereitung von Feiern und Elternabenden.Sie traute ihnen etwas zu. Ziel war es immer, den Studierenden das nötige Rüstzeug für den Erzieherberuf mitzugeben, damit sie als verantwortungsvolle Frauen und Christinnen ihr Leben gestalten können.
Sr. Judith war aber nicht nur Leiterin und Organisatorin, sondern auch Lehrerin. Neben ihren Fächern Pädagogik/Psychologie/Heilpädagogik sah sie in den Übungen zur Religionspädagogik eine gute Möglichkeit, die jungen Menschen auf ihrem Glaubensweg zu begleiten. Die sog. Legearbeiten nach Franz Kett, mit denen sie sich seit langem auseinandersetzte und sich darin auch fortbildete, ermöglichten eine ganzheitlich sinnorientierte, christliche Pädagogik nicht nur in der Arbeit mit Kindern, sondern auch mit Erwachsenen. Hier konnten auch Unterricht und Praxis gut miteinander verbunden werden, worauf Sr. Judith ihr besonderes Augenmerks richtete.Dies kommt zum Ausdruck in der konsequent durchgeführten Zusammenarbeit mit den Praxisanleiterinnen, mit deren Hilfe die Studierenden ihr Wissen umsetzen, ihr Handeln reflektieren und neue Methoden ausprobieren konnten. Zu dieser Verbindung nach außen gehörte aber auch die Zusammenarbeit mit den pädagogischen Einrichtungen vor Ort sowie die Verbindung zu verschiedenen Fachdiensten, zu Grund- und Förderschulen, zu Ämtern und Referenten zur Kath. Erziehergemeinschaft u.a. In der Ausschau nach solchen Möglichkeiten war Sr. Judith unermüdlich tätig und auch fündig. Ihr Einsatz galt aber nicht nur der eigenen Schule, sondern er ging darüber hinaus. 15 Jahre arbeitete sie in der Prüfungskommission am Kultusministerium mit. Ebenso setzte sie ihre Kraft in der Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Fachakademien z.T. im Vorstand ein und trug damit Verantwortung in der Weiterentwicklung dieses Schultyps. Zudem hat Sr. Judith über die Schule hinaus auch im Kloster und in der Föderation der deutschsprachigen Ursulinen in verschiedenen Ämtern Verantwortung übernommen.
Ein ausgezeichnetes Organisationstalent ermöglichte es ihr, so viele verschiedene Aufgaben zu erfüllen und dabei die eigene Mitte nicht zu verlieren. Die eigentliche Kraftquelle aber ist ihre Gottverbundenheit und das Gebet. Das Gespräch mit Gott ist für sie die Grundlage für das Gespräch mit den Menschen. Dabei ist ihr unsere Gründerin Angela Merici das große Vorbild. Diese Frau ist den Menschen mit Achtung und Wertschätzung begegnet und war gleichzeitig bereit, bei Notwendigkeit Altes aufzugeben und dem Ruf zu einem Neubeginn zu folgen. Deren Geist und Haltung hat sie auch den ihr anvertrauten jungen Menschen durch das Beispiel ihres Lebens zu vermitteln versucht.
Persönlich und im Namen der Ursulinen-Schulstiftung sowie der Mitschwestern danken wir Sr. Judith ganz herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz während der 46 Jahre an der Fachakademie. Gott möge ihr alles vergelten.

 

Text von Sr. Gabriele Heigl

Vorstandsvorsitzende der Ursulinen-Schulstiftung

 

 

Lesen Sie zur Verabschiedung von Sr. Judith den Zeitungsartikel im Straubinger Tagblatt:

 

Zeitungsartikel Verabschiedung Sr. Judith Reis